Deutsch-Norwegisches Studienzentrum (DNSZ)

Interview mit einem Chorleiter

Ich mag Musik sehr. Ich versuche so oft wie möglich Konzerte jeder Art zu besuchen. Die Stimmung ist magisch wenn man Livemusik hört. Musik bringt einfach Leute zusammen. Wie die von mir gefragte Person gesagt hat, gibt es in jeder Musikrichtung gute Musik. Ich habe selbst in einem Chor gesungen und habe auch Piano gespielt. Ich dachte es könnte interessant sein etwas über das Musikleben in Schleswig-Holstein zu lernen.
Ich freute mich als ich mein Thema und mein Interviewobjekt erhaltet. Mein Interviewpartner und ich lasen den Text über „Jazzica“, einen A-Cappella-Chor aus Kiel. Wir sollten den Leiter interviewen. Wir besuchten die Web-Seite auf der wir Teile von verschiedenen Liedern hörten. Der Chor wirkte professionell. Jetzt hatten wir einen Eindruck des Chores, und konnten Fragen schreiben. Für uns war es interessant nicht nur etwas über den Chor zu lernen, sondern auch mehr über die Musikszene in Kiel.
Martin und ich haben Till Kindschus interviewt. Er ist Leiter des A-Capella-Chores. Er wurde am 15. Februar interviewt. Wir besuchten ihn zu Hause. Er war sehr nett und ich glaube, er fand diese Situation spannend. Lebkuchen, Kaffee, seiner nette Frau und seine Offenheit schafften die beste Atmosphäre. Die Stimmung war nicht gedrückt, sondern entspannt. Er spielte Musik für uns und wollte, dass wir länger bleiben. Herr Kindschus ist an Musik sehr interessiert und hat  in verschiedenen Musikrichtungen sehr gute Kentnisse. Zusätzlich zu seiner Arbeit als Leiter von Jazzica singt er auch in einem männlichen Jazzquartett, „Take Four“ genannt. Er erzählte mit Freude über den Chor. 
„Jazzica“ ist etwas sehr besonderes. Der Chor besteht nur aus Frauen, und in ihrem Repertoire sind Jazz- und Popsongs . Der Chor klingt sehr tief, weil die zweite Altstimme die Melodiestimme hat. So ein Chor ist sehr selten. Weil es so wenig Konkurrenz gibt, ist Jazzica der beste Chor seiner Art in Deutschland. Herr Kindschus, der seit Anfang an Leiter des Chores ist, meint dass A-Cappella so unmittelbar, menschlich und natürlich ist. Mit nur Frauen im Chor bekommt man einen sehr homogenen „Sound“. Es ist auch einfacher, Sängerinnen als Sänger zu finden. Zur Zeit gibt es nur 2-3 freie Plätze im Chor.
Die Voraussetzung um ein Mitglied zu werden, ist dass man ein Stück richtig singen kann. Ob man eine Anfängerin oder eine ausgebildete Sängerin ist, spielt keine Rolle. Die Mischung im Chor muss aber richtig sein.
Interessant für uns war es etwas über die Musikszene in Kiel zu erfahren. Herr Kindschus hat uns erzählt, dass weil Kiel ein Provinz ist, wird auch die Musikszene provinziell. Man hat bis jetzt leider keine grosse Szene. Es gibt einige gute Chöre und Jazzbands. Der Chor Madrigal, der in der Nicholaskirche singt, ist ein Beispiel dafür. Die Kieler sind immer ein gutes Publikum. Deshalb spielen ganz viele Artisten in Kiel. Es ist aber nicht so dass man nach Kiel kommt um Musik zu hören.
Weil wir aus Norwegen kommen, gabe es natürlich einige Fragen über unsere Heimat zu stellen. Hatte Jazzica in Norwegen turniert? „Man kann nicht davon leben. Wer bezahlt uns denn schon?“, fragt Herr Kindschus. Jazzica hat ein Konzert in Kiel pro Jahr. Auch werden sogenannte „Gigs“ arrangiert. Sie singen dort, aber diese Arrangements sind nie weit weg.
Der Chor hat ab und zu eine Seminarwochenende. Dort wird ein Konzert gemacht.
Vor dem Interview hatten wir ein wenig über Jazzica gelesen. Wir wollten mehr lernen, nicht nur über Jazzica, sondern auch über den Leiter. Wir haben Herr Kindschus ein Lied von der norwegische Gruppe „Jaga Jazzist“ vorgespielt und er meinte dass das Lied von „Jaga Jazzist“ war fitzig. Repetitive. Man konnte Samples und Puzzles hören. Sehr smooth. Herr Kindschus mag die sich widerholenden Teile von dem Lied nicht. Er mag Musik die nicht so vorhersehbar ist.
Die Zukunft „Jazzicas“ ist interessant.  Der Chor hat immer ein Vorbild, ein Ideal. Die Sängerinnen wollen bestimmten Sachen können. Wie Herr Kindschus sagte; – „You want to catch up“, beachtet werden. Wenn das Publikum sagt „ Was für eine schöne Musik“ ist das Ziel erreicht. Jetzt müssen sie eine Richtung finden in der sie die Ersten sind. Der Rundfunkchor kann mit experimentelles Material arbeiten. Sie sind gut ausgebildete Leute. Jazzica ist ein Amateurchor, will aber auch experimentelles Material beherrschen. Nicht weil sie Profis sind, sondern weil sie es können. Jazzica ist mittlerweile 8-Stimmig, und hat einen schönen Klang gefunden. Der Chor braucht mehr Material und Unterstützung von guten Coaches. Es ist schwer solche Leute zu finden.
Warum ist Musik für Herr Kindschus wichtig? „Ich mag sie sehr gerne, sie gefällt mir einfach. In jeder Musikrichtung finde ich Sachen gut. Musik die von Mc Donalds kommen könnte, ist nichts für mich. Es ärgert mich, wenn Musiker sagen „Ich bin Klasse“. Ich mag Essen gehen, koche aber auch selber gerne.“ Mit folgender Aussage meint Herr Kindschus dass er gern Musik selbst komponieren. Und mit Hilfe von guten Coaches und seinen 45 Sängerinnen kann es nur einen Weg geben; nach oben.
Ich fand diesen Interviewprozess sehr lustig. Über Musik zu sprechen macht immer Spaß.
Ich habe eine interessante Thema bekommen und Herr Kindschus war sehr entgegenkommend. Martin und ich haben auch gut zusammengearbeitet. Wir wollten eigentlich eine Chorprobe besuchen, hatten aber leider keine Zeit. Es hat mir imponiert, wie weit Herr Kindschus und „Jazzica“ gekommen sind. Jetzt will ich einen Chor in Trondheim finden wo ich singen kann. Es wird hoffentlich toll!


Ingrid Martine

Die Grünen: eine Partei der Ambitionen

KIEL: am 6. Mai findet in Schleswig-Holstein die Wahl zum neuen Landtag statt. Nach turbulenten Jahren für die Freidemokraten, die mit der CDU in dem nördlichsten Bundesland regieren, ist der Weg zur Macht besonders für eine Partei verkürzt. Wir haben Lutz Oschmann (Bündnis 90/Die Grünen) im Kieler Landtag getroffen.

 

In Düsternbrook, schön und direkt an der Förde gelegen, treffen sich die Landtagspolitiker von Schleswig-Holstein. Im Landtagsgebäude haben die Parteien auch ihre Büros. Der Politiker, den wir getroffen habenheißt Lutz Oschmann. Er ist Vertreter der Grünen in der Kieler Ratsversammlung und in politischen Bereichen wie Energie, Verkehr und Finanzen ist er auch Referent für die Abgeordneten der Grünen im Landtag.

Unser Zweck des Interviews mit Herrn Oschmann war, die Grünen besser kennenzulernen und eine Überischt über das politische Leben im schleswig-holsteinischen Landtag zu bekommen. Wir haben auch erwartet, dass der Politiker, den wir interviewen sollten, ein Rhetoriker wäre, der und mit allen Mitteln überzeugen wollen würde. Von außen sieht das Landtagsgebäude riesengroß aus. Als wir hineingingen, wurde dieser Eindruck bestätigt. Nur die Sicherheitsvorkehrungen für Besucher haben uns überrascht – die gab es für uns nicht.

Die Grünen wurden in Karlsruhe Anfang 1980 gegründet. Nach dem Mauerfall wurden unterschiedliche Freiheitsbewegungen der DDR ein Teil der Grünen. Deswegen nennt sich die Partei bis heute „Bündnis90/Die Grünen“. Wir fragten, warum diese bestimmten Menschen die Grünen gegründet haben.

„Die Grünen wurden als Mittel im Kampf gegen den Rüstungswettbewerb im Kalten Krieg, gegen Atomenergie und für die Gleichberechtigung gegründet.“, sagte Herr Oschmann.

Interview mit einem Sänger am Kieler Opernhaus

Wir führten ein Interview am Dienstag, den 27.07. mit Herrn K., einem Sänger am Opernhaus Kiel. Wir trafen uns mit ihm im Opernhaus in Kiel und stellten ihm mehrere Fragen. Wir sind die beide sehr interessiert an klassischer Musik und an Opern, deshalb war dies ein spannendes Interview für uns. In diesem Aufsatz werden wir etwas mehr über seine Familie, Karriere und wie das Leben für ihn in Deutschland ist erzählen, denn der Sänger ist gebürtiger Ukrainer.

Familie:
Herr K. stammt ursprünglich aus der Ukraine. Er zog nach vor zwölf Jahren nach Deutschland aufgrund der besseren Arbeitsangebote. Er kommt aus einer sehr musikalischen Familie, schon als Sechsjähriger besuchte er regelmäßig einen Kinderchor und nahm daran mit Begeisterung teil. Seine Frau ist eine sehr ehrgeizige Pianistin. Beide lernten sich kennen über ihre Arbeit im Theater. Zusammen haben Sie zwei Töchter, die ebenfalls sehr musikalisch sind. Die älteste Tochter ist 12 Jahre alt und tanzt Ballett,  außerdem spielt sie sehr gut Violine. Die sechsjährige Tochter spielt ein bisschen Piano.
Herr K. verbringt viel Zeit mit seinen Kindern. Seine Frau und er haben flexible Arbeitszeiten, sodass die Familie Privatleben und Job gut unter einen Hut bekommt.

Karriere:
Da er aus einer musikalischen Familie stammt, ging sein Berufswunsch ebenfalls in diese Richtung. Wenn man ein Opernsänger ist benutzt man nicht nur seine Stimme, sondern man ist genauso ein Schauspieler auf der Bühne. Er hat immer viel Sport gemacht und im Moment trainiert er dreimal die Woche. Seine Gesangsausbildung hat er in Kiew gemacht und als er dann  nach Deutschland kam wollte er weiter studieren, aber durch sein Talent hat er nicht weiter studieren müssen. Am Opernhaus in Kiel ist er bereits seit 10 Jahren angestellt. Er singt Bass-Bariton.Er hat bereits in vielen Opern mitgewirkt. Zum Beispiel „Die verkaufte Braut“ die erst vor kurzem im Opernhaus Kiel aufgeführt wurde.  Um sich auf eine seiner Rollen vorzubereiten, braucht es viel Zeit, an manchen Tagen hat er sogar vier Proben am Tag. Normalerweise dauert es bis zu zehn Wochen um sich auf ein Stück vorzubereiten. Die Dauer der Vorbereitungszeit hängt aber immer vom Regisseur ab. Wenn ein Regisseur schon viel Erfahrung hat und auch sehr talentiert ist, dauert es nicht so lange. Sehr oft kommt es sogar vor, dass sich Herr K. auf mehrere Opern zur gleichen Zeit vorbereiten muss.
Es gibt viele Opern die ihm sehr gut gefallen aufgrund seiner Herkunft. Er hat zwei Lieblingsstücke: Schwanensee und der Nussknacker. Er hört sehr verschiedene Musikrichtungen, an Klassischer Musik mag er am Liebsten Tschaikowsky und Verdi.
Wenn er auf die Bühne muss und kurz vor einem Auftritt steht, dann ist er, so sagte er uns sehr aufgeregt. Wenn man das nicht ist, so ist man nicht normal, nach seiner Aussage. Momentan arbeitet er mit der Oper ’’Torandot’’ und es freut sich gern, wieder mit dem Regisseur zu arbeiten. Er singt auch auf viele verschiedene Sprachen, am meistens auf Italienisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch. Deswegen muss er sich immer wieder üben, die neuen  Sprachen  auswendig zu lernen, wenn die Opern nicht auf deutsch oder russisch geschrieben sind. Oft muss er während seines Urlaubs, weil es mit den Opern keine festen Arbeitzeiten gibt. Aus diesem Grund fühlt er oft sehr müde, wegen dem anspruchsvollen Arbeitsaufwand, aber es kämpft trotz dem immer weiter. Seine Arbeitsethik produziert viel Erfolg für ihn, aber seine Leistungen kommen leider mit einem Preis, weil er oft sein Privatleben hingeben muss.

Seine Beziehung zu Deutschland:
Herr K. ist sehr glücklich hier in Deutschland, obwohl er die Ukraine sehr vermisst. Trotzdem will er hier in Deutschland bleiben, auch wenn er sich nicht als Deutscher fühlt. Sein Herz gehört der ukrainischen Kultur, aber für ihn ist es besser hier zu arbeiten und zu leben. Die Arbeitsbedingungen sind in Deutschland einfach besser. Wenn er in der Ukraine Erfolg haben will, so muss er zuerst in Deutschland bekannt sein. Nur dann wird er in seiner Heimat auch als Opernsänger vollständig akzeptiert.
Einmal im Jahr besucht er seine ukrainische Familie in seiner Heimat.

Es war ein sehr schöner Tag für uns alle. Herr K. hat uns das Opernhaus ganz genau erklärt und eine kostenlose Führung mit uns gemacht. Wir sahen die Bühne, die Requisite und die Räume in denen sich die Schauspieler für die Auftritte fertig machen.
Wir waren sehr aufgeregt vor dem Treffen und sehr gespannt mehr über das Leben eines richtigen Opernsängers zu erfahren.
Die Atmosphäre war von Anfang an sehr entspannt und der Opernsänger war sehr freundlich und offen. Als erstes bat er uns gleich zur Begrüßung das Du an, was wir sehr sympathisch fanden. Wir setzten uns in eine kleine Kantine im Erdgeschoss des Opernhauses.
An diesem Tag haben wir viel erfahren über das Leben eines Opernsängers, wie er Familie und Job gut vereint, wie die Arbeit abläuft und wie sein Alltag aussieht.
Besonders interessant empfanden wir die Führung durch das Opernhaus und dabei ganz besonders den Übungsraum der Balletttänzer. Er war eben auch so freundlich uns einzuladen, eine seiner Opern oder Ballet umsonst zu besuchen. Es ist eigentlich schade, dass wir nicht mehr Zeit haben, ihn in seinem Angebot zu nehmen.

Insgesamt hat uns dieser Tag sehr viel Spaß gemacht.


Yanina & Cecilie 
 

Interview mit einem katholischen Pfarrer

Mein Interview war mit dem Pfarrer Norbert Bezikhof und fand im Pfarrhaus hinter der St. Henrich Kirche statt, wo Herr Bezikhof sowohl wohnt als auch sein Büro hat. St. Henrich ist die größte der vier katholischen Kirchen in Kiel und wurde als Marinegarnisonkirche vor dem ersten Weltkrieg vom Kaiser gebaut. Nach schweren Bombenschäden während des zweiten Weltkrieges wurde sie 1948 wiederaufgebaut. Herr Bezikhof gab zu, dass die Größe der Kirche nicht der Zahl der Teilnehmer an den Gottesdiensten entspricht; Katholiken machen nur 7 % der Bevölkerung in Kiel aus und unter ihnen gehen keineswegs alle jeden Sonntag zur Messe. Die Zahl der Teilnehmer ist aber besser als der Durchschnitt in Deutschland, was vor allem rührt daher, dass viele Gastarbeiter in Kiel aus Polen kommen, wo die Bedeutung der Kirche viel größer ist als im heutigen Deutschland.
Thema des Interviews war Glaube in Deutschland. Mehr als ein Drittel der Deutschen sind konfessionell ungebunden. Diese Zahl ist sehr hoch im Vergleich zu anderen Ländern, z.B. sind in Norwegen mehr als 90 % der Bevölkerung Mitglieder der Staatskirche. Ich interessierte mich deshalb dafür, die Gründe dieser niedrigen Zahl herauszufinden, und vor allem die Haltung der katholischen Kirche in Deutschland dazu.
Herr Bezikhof erwähnte zunächst als Grund die Tatsache, dass in Deutschland die Kirchensteuer nur für Mitglieder der Kirche zu bezahlen ist. Die Steuer macht 1 % des Einkommens aus, was nicht wenig ist, besonders wenn man gut verdient. In Norwegen hingegen bedeutet Austritt aus der Kirche keinen ökonomischen Gewinn, was dazu führt, dass nur diejenigen, die besonders kritisch der Kirche gegenüber stehen, sich die Mühe damit, sich  abzumelden, machen.
Aus geschichtlicher Sicht spielt hier natürlich die DDR eine besondere wichtige Rolle. Die antikirchliche Haltung des DDR-Staates bedeutet, dass die Eltern allein, ihre Kinder christlich erziehen mussten – ohne Hilfe vom Religionsunterricht in der Schule oder gesellschaftlichen Erwartungen von Taufe und Firmung. Die katholische Kirche hatte auch Probleme mit der eigenen Organisation im geteilten Deutschland, da die Staatsgrenze den Grenzen der Bistümer nicht entsprach. 
Die DDR und Kirchensteuer können als materielle Gründe der abnehmenden Mitgliederzahl der Kirche bezeichnet werden. Als Student der Philosophie und Geistesgeschichte interessierte mich aber vor allem die Änderungen im Denken und Einstellung der Deutschen gegenüber Religion und Kirche. Herr Bezikhof sprach viel von dem zunehmenden Individualismus in der heutigen Religiosität. Seiner Ansicht nach bedeutet die abnehmende soziale Bindung der Kirche keineswegs, dass Religion für die Deutsche heute unwichtig ist. Die religiöse Suche bleibt, aber erscheint durch neue Formen. So haben individuelle Anschauungen, die aus Elementen sowohl von der östlichen Tradition als auch von unseren eigenen bestehen, die Glaube an die kirchliche Lehre ersetzt. Herr Bezikhof stellte sich natürlich kritisch demgegenüber, aber war auch der Meinung, dass sich die Kirche die neue Zeit anpassen muss. In Kiel hat man dies u.a. durch die Etablierung von sogenannten geistlichen Zentren gesucht; hier werden über spirituelle Fragen geredet und Meditationskurse werden angeboten. Diese sind sehr gut angenommen. Außerdem gibt es in der Nähe des Rathauses ein City-Pastoral, wo man mit dem Pfarrer sprechen kann. Herr Bezikhof hob aber hervor, dass die Kirche sich auch nicht den Zeitgeist anbiedern kann und damit ihre Identität und Eigenart aufgeben.
Die Diskussion über die Bedeutung der Tradition versus des Gewissens des Einzelnen geht  auch in der Kirche selbst vor. Konkret zeigt sich dies z.B. dadurch, dass einige Pfarrer Wiederverheiratete zum Abendmahl gehenlassen, obwohl diese Praxis der offiziellen kirchlichen Lehre widerspricht. Herrn Bezikhof zufolge sind die Theologen in Deutschland viel liberaler als jene der romanischen Länder. Dies kommt u.a. zum Vorschein in ihrer Stellung zu Sexualethik, Zölibat und weiblichen Pfarrern. Während eine Pfarrerin in z.B. Italien und Spanien unvorstellbar ist, lässt es sich unter vielen deutschen katholischen Theologen gut denken. Herr Bezikhof lehnte bestimmt ab, dass es theologische Argumente dagegen gibt und sah Jesus Christus vielmehr als Revolutionär in seinem Verhalten zu Frauen. Er studierte selbst unter dem neuen Papst und sieht ihn als einen guten Menschen, aber äußerte sich im Interview kritisch gegenüber seinen konservativen Ansichten. Der Nachwuchs von Pfarrern ist jetzt sehr schlecht in Deutschland und eine Aufhebung der Zölibatvorschrift wird in der Zukunft wahrscheinlich notwendig werden.
Herr Bezikhof kam mir durchgehend als liberaler vor als ich mich vorgestellt hatte. Die kritischen Fragen (z.B. über dem Verbot gegen Kondomen), die ich vorbereitet hatte, wurden überflüssig, indem er sie vorgriff. Ich erfuhr, dass die Meinungen innerhalb der Kirche vielfältig sind und dass man nicht notwendigerweise mit dem Papst einig sein muss, um Pfarrer in der Kirche zu sein. Nach dem Interview sprachen wir auch ungefähr eine Stunde über Philosophie und die Beziehung zwischen Religion und Naturwissenschaft, und obwohl er mich keineswegs ganz zu überzeugen vermochte, zeigte er, dass die stolze Tradition der katholischen Geistesleben gar nicht jetzt so tot ist wie meine Vorurteile besagten.

Halvor